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08.06.2017

Aus diesem Grund lud Andreas Pahl die mit Preisen ausgezeichneten St ...
Alles, nur kein Unternehmer?
Tipps für Gründerinnen, Gründer und Selbständige in der Kultur- und Kreativwirtschaft

Kultur und Kreativität brauchen Umsatz und Gewinn

Wenn von Kreativen die Rede ist, so sind damit vor allem die Vielzahl von Freiberuflern sowie Klein- und Kleinstbetriebe gemeint: Autoren, Filmemacher, Musiker, bildende und darstellende Künstlerinnen und Künstler, Architekten, Designer, Entwickler von Computerspielen – und auch die jenigen, die sich mit ihren Geschäftsideen und Produkten kaum in den klassischen Sparten „unterbringen“ lassen. Ein sehr bunter, heterogener Kosmos also, der charakteristisch für die Branche der Kultur- und Kreativwirtschaft ist.

Über 60 Prozent der Gründerinnen und Gründer in der Kreativwirtschaft gründen zunächst im Nebenerwerb, stellt die KfW fest. Insgesamt starteten im Zeitraum 2007 bis 2010 mehr als ein Viertel im Bereich Software- und Games-Industrie. Ein weiteres Viertel gründete ein Unternehmen in der Werbebranche. Gründungen in den darstellenden Künsten, der Filmwirtschaft oder in der Rundfunk- und Fernsehwirtschaft sind dagegen relativ selten.

Immerhin: Drei Jahre nach dem Start sind fast vier Fünftel der kreativen Gründungen immer noch am Markt. Das ist mehr als in anderen Wirtschaftsbereichen, so das Ergebnis der KfW-Untersuchung.

Der Schritt in die Selbständigkeit

Kreativschaffende, die auf eigene Faust und ohne Festanstellung versuchen, ihre Kreativität in bare Münze umzusetzen, werden damit unternehmerisch tätig. Das bedeutet: Sie müssen sich mit Fragen beschäftigen, die auch jeder andere beruflich Selbständige kennt: zu ihren Auftraggebern, ihrem Marketing, ihrer Finanzplanung usw. Beispiele: Wie kann ich meine Werke präsentieren? Wo kann ich als Musiker auftreten? Aus welchen Quellen kann ich meine Theaterprojekte finanzieren? Welche persönliche Absicherung ist für einen freiberuflichen Architekten wichtig?

Die Anforderungen und Fragestellungen variieren je nach Teilbranche oder Sparte der Kultur- und Kreativwirtschaft. Unter dem Strich geht es aber vor allem immer darum, die berufliche Selbständigkeit so zu gestalten, dass man nicht nur seine Ideen umsetzen, sondern davon auch seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Es geht um die Rentabilität der kreativen Arbeit: Wie viel muss ich monatlich verdienen, um von meinem Kultur- oder Kreativschaffen tatsächlich leben und gegebenenfalls eine Familie ernähren zu können? Ein kühler Kopf und klare Zahlen sind zwar keine Garantie für eine erfolgreiche Selbständigkeit – sie tragen aber auf jeden Fall ganz entscheidend dazu bei, das Risiko, jahrelang mehr schlecht als recht über die Runden zu kommen, zu minimieren.

Um genug zu verdienen, reicht es nicht aus, eine gute Idee oder eine herausragende Begabung zu besitzen. Man muss beides auch „verkaufen“ können. Nach „draußen“ zu gehen und sich selbst und seine Arbeit zu vermarkten, kostet mit unter aber viel Überwindung. Dasselbe gilt auch für die Beschäftigung mit kaufmännischen Fragen und die Lösung steuerlicher oder rechtlicher Probleme. Dort aber, wo der Kommerz beginnt, hören für einige Kultur- und Kreativschaffende die Kreativität und der Spaß auf. Die Vorstellung, nicht allein als kreativ denkender und schaffender Mensch, sondern auch als geschäftstüchtiger kühler Rechner auftreten zu müssen, stößt bei ihnen auf wenig Gegenliebe.

Unternehmerisches Know-how und Geschick

Nur: Wer sich dafür entschieden hat, tatsächlich von seiner kreativen bzw. kulturschaffenden Arbeit leben zu wollen, sollte alle Register ziehen, damit dies auch gelingt. Viele Kreative übersehen allzu leicht, dass dauerhafter Erfolg nicht vom Himmel fällt, sondern immer auch eine gute Portion unternehmerisches Know-how und Geschick dahintersteckt. Wobei Erfolg nicht unbedingt bedeuten muss, das „große Geld“ zu machen. Viele Kreative wollen vielmehr in der Lage sein, ihre Ideen auf Dauer umzusetzen, ohne sich dafür zu verbiegen. Dabei verlangt das Projekt „berufliche Selbständigkeit“ durchaus kreativen Input und ist alles andere als plumpe Krämerei.

Beratung und Qualifizierung für Kreative


Klar ist allerdings: Der systematische Weg in die berufliche Selbständigkeit ist kein „Spaziergang“, sondern eher ein „Hürdenlauf“. Eine Existenzgründung, ganz gleich in welcher Branche, ist immer ein Wagnis. Der Erfolg hängt schließlich von ganz verschiedenen Faktoren ab: in erster Linie von der Gründerin bzw. dem Gründer selbst. Und vom Maß an Beratung und Qualifizierung, mit dem sie oder er in die Selbständigkeit startet. Es gibt jede Menge Beratungsangebote und -anbieter auch für kreative Gründerinnen und Gründer. Viele können aber
mit dem nüchternen Sachverstand und dem betriebswirschaftlichen Vokabular „klassischer“ Existenzgründungs- oder Unternehmensberater wenig anfangen. So sind die Vorbehalte gegenüber unternehmerischem Denken und Handeln in der bildenden und darstellenden Kunst, der Musik, der Publizistik und Literatur oder auch der Architektur im Vergleich zu anderen Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft zweifellos am größten. Insofern fühlen sie sich von den „klassischen“ Beratungseinrichtungen auch nicht angesprochen, weil sie sich nicht als „Existenzgründerin“ oder „Existenzgründer“ betrachten. In anderen Fällen scheitert eine Beratung daran, dass die Experten nicht beurteilen können, wie viel „Kommerz“ in der kreativen Idee steckt.

Dass Beratung und Informationen zu wenig auf ihren Bedarf zugeschnitten sind, stellt für Gründerinnen und Gründer im kreativen und künstlerischen Bereich immer noch ein besonderes Problem dar. Wobei es bei diesem Beratungsbedarf große Unterschiede gibt. Wer beispielsweise die Gründung eines Gewerbes im Einzelhandel – ob Buch- oder Kunsthandel – oder einer Werbeagentur anstrebt, wird bei einer regionalen Gründungsinitiative oder der Industrie- und Handelskammer vor Ort ausreichend Information und Starthilfe bekommen. Ganz anders sieht das etwa für den Bereich der Games- und Software-Entwicklung aus, in dem jeder Start in der Regel ein hohes Startkapital benötigt. Daher hat sich hier mittlerweile ein weitverzweigtes Beratungs- und Fördernetzwerk entwickelt, das vornehmlich an Hochschulen und Förderinstitutionen zu finden ist. Für die meisten Kreativ-Gründerinnen und -Gründer entstehen mehr und mehr Netzwerke und Plattformen „von Kreativen für Kreative“, die sich den Austausch von Erfahrungen und Tipps zur Aufgabe machen.

Die Bundesregierung hat mit ihrer Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft bereits wichtige Impulse gesetzt, um die Professionalisierung selbständiger Kultur- und Kreativschaffender voranzutreiben. Innerhalb kurzer Zeit konnte mithilfe des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft ein weitverzweigtes Beratungsnetzwerk aufgebaut werden. Eine Vielzahl von Veranstaltungen trägt darüber hinaus dazu bei, dass die Branche der Kultur- und Kreativwirtschaft zunehmend als eigenes Wirtschaftsfeld in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.


(Quelle: Publikation des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie "Alles, nur kein Unternehmer?", Januar 2014)

Die gesamte Publikation als PDF: hier

Weitere Inforamtionen zur Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung: hier



Business + Innovation Center Kaiserslautern GmbH, 10.04.2015


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